Issue 01

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Community & Network

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Interview

Berlin

Formen von Bewältigung – In Conversation With Jonathan Joosten

Issue 01: Community & Network

25€

Dieser „Jahrhundertwinter“, von dem alle gesprochen hatten, war gar nicht so weit hergeholt. Es ist Mitte Januar, und ich rutsche auf einem dieser charmanten, blöderweise schrägen, Gehwege in Mitte aus und falle hin. Als ich weiter zur Café-Bar gehe, die gerade erst öffnet und in der ich mit Jonathan Joosten verabredet bin, ist mein Mantel bereits voller grauem Schneematsch. Momentan zwischen Berlin und New York balanciert Jonathan seine künstlerische Praxis mit einer redaktionellen Tätigkeit als Mitgründer des Spiritus Magazins. Während in seinem redaktionellen Projekt der „Cultural Zeitgeist“ im Mittelpunkt steht, prägen Zeit und Chrononormativität auch seine künstlerische Arbeit. Mit Bezügen zur modernen wie zur historischen Popkultur arbeitet Jonathan mit dem Liminalen – sei es Prototypen, temporäre Materialien oder Ausrangiertes – und stellt Fragen nach dem Was, Wie, Wann und Warum. Von Jonathans Arbeit hörte ich zum ersten Mal über einen Freund und war von seinem Sinn für Details angetan. Bezüge zur Kunstgeschichte und zur Popkultur sind zahlreich, und ein tiefes Verständnis für Material wird von dem Wunsch begleitet, noch mehr zu lernen oder sich zumindest Gedanken darüber zu machen (im Englischen würde ich hier ‘Ponder’ benutzen). Also beschloss ich, ihn ein wenig auszufragen, was bedeutete, ihm beim lauten Nachdenken zuzuhören – etwas, was doch sehr gut gepasst hat. Unser Gespräch begann an einem Ort und endete an einem völlig anderen, wie es bei guten Gesprächen eben passiert. Von parasozialen Beziehungen über Designer-Objecthood bis hin zum Film streiften wir so viele Themen, dass längst nicht alles in Print Platz fand. Das hier hat es in die Auswahl geschafft.

Mia Butter: Okay, also ich will mit dir über Sourcing sprechen: dein Interesse an den Consumers und den Objekten in deinem Umfeld. Wie ist deine Beziehung zu den Objekten, die du rekontextualisiert und kreiert hast? Wie kommst du darauf, einen Katamaran-Teil oder ein Kajak in deinen Arbeiten zu verwenden?

Jonathan Joosten: Mich interessieren Objekte, die an eine Funktion gebunden sind oder es einmal waren. Besonders spannend ist für mich der Moment im Entwicklungsprozess, in dem sie noch nicht vollständig festgelegt sind. Dieser Moment zwischen Funktion und Bedeutung zieht sich durch viele meiner Arbeiten. Bei den Kajaks war es zum Beispiel das Stadium des Prototyps. Ein Objekt, das eine klare Aufgabe erfüllt, zugleich aber offen ist. Irgendwann verlieren solche Dinge ihre ursprüngliche Relevanz. Genau da fängt mein Interesse an. Ich habe gerade einige Monate in New York verbracht, wo sich mein Blick mit diesem Ansatz auch auf den urbanen Raum selbst verlagert hat. Mein Studio lag nahe der Canal Street. Dort wurden Waren oft direkt auf der Straße verkauft. Designer-Repliken, Merchandising und vieles mehr. Die Produkte waren nicht in ihrer Originalverpackung, sondern in schlichten weißen Boxen. Diese Boxen, zunächst reinfunktional, haben sich vom eigentlichen Produkt gelöst. Sobald das Produkt fehlte, blieb nur eine neutrale Hülle zurück. Ich habe angefangen, diese Boxen als…

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